08.07.2019 Sprague creek Campground – Tuchuck Campground

Tag 58: 95 km

Bereits um 7.30 Uhr waren wir ready. Bevor es dann aber aufs Velo ging, wollte ich unbedingt noch die morgendliche mystische  Stimmung am See geniessen und festhalten.146D7FF2-60D7-4035-AE5A-1325F0F492E6

Danach traten wir entlang des Mac Donald Lake kräftig in die Pedalen. Am Ende des Sees stoppten wir bei einem Café und bestellten uns einen  Huckleberry Milkshake. Huckleberries sind wilde Heidelbeeren und einfach wahnsinnig köstlich. Der Geschmack ist herb und die Früchte werden hier in Nordamerika vielfältig in Speisen und Getränken verwendet.E60D0C25-9EB3-4527-A8A1-953F40D7A498

Mit einem wohligen Gefühl im Magen gings weiter. Wir befanden uns immer noch im Glacier Nationalpark, nun aber auf einer Nebenstrasse die kaum frequentiert war. So hatten wir Zeit die wunderbaren Ausblicke zu geniessen.051747E1-14EB-415E-8E0B-B84700405A7DEA29AA93-CB6A-453C-B923-488C9B0BE56F Die Sonne schien und die Temperaturen stiegen stetig an. Das Höhenprofil blieb wie meistens abwechslungsreich und bald befanden wir uns wieder auf Schotterstrassen und auf dem Great Divide Mountainbike Trail.57F1138E-80C4-4E4B-AC8D-9C29A01F23DB

Wir waren uns einig, dass sich unser Abstecher in den Glacier Nationalpark mehr als gelohnt hat. Dieser gefiel uns nämlich ausserordentlich gut und ist für uns einer der schönsten Nationalparke in den USA.

Uns erstaunt immer wieder , dass mitten im Nirgendwo plötzlich wieder eine Überraschung auf uns wartet. So auch heute…. Rundum dichter Wald und in einer Lichtung das Örtchen Polebridge, bestehend aus einem Tante Emma Laden und einigen Cabins zum mieten. Im Laden gab es diverses, frisches, sehr leckeres  Huckleberry Gebäck und vieles lebens- und weniger lebensnotwendiges. Das beste war aber dann doch, als wir an der Kasse standen und wir als Biker, das sei so Tradition, je ein Huckleberry Brot gratis in die Hand gedrückt bekamen. Herrlich…

Während wir auf einer Bank vor dem Eingang unser köstliches Gebäck genossen, stand ein Mann vor unseren Velos. Während Demi und ich uns unterhielten schaute er uns ziemlich erstaunt an und  sprach uns auf schweizerdeutsch an. Ursprünglich aus Zürich, lebt er nun seit 24 Jahren in Seattle und war mit seiner Family für einige Tage unterwegs. Als wir ihn über unsere Tour und bisher erlebtes aufgeklärt hatten war er hin und weg. Er sei ein absoluter Fan von der Gegend British Columbia und bekomme jeweils  Hühnerhaut wenn er nur daran denke. Es werde immer schöner je weiter nördlich wir jetzt kämen.  Na dann sind wir ja mal gespannt. Sein Schwiegervater, der sich auch am Gespräch beteiligt hatte, warnte uns dann noch vor den Grizzly Bären. Auch wenn wir keine Bären wahrnehmen, werden wir von den Bären wahrgenommen und beobachtet. Vor zwei Jahren sei ein Biker in dieser Gegend  von einem Bären angegriffen und getötet worden. Schöne Aussichten….

Mittlerweile habe ich die Sicherung bei meinen Bärenspray entfernt und griffbereit am Velo montiert. So spulten wir weitere Meilen in sehr wildem aber auch faszinierendem Gebirge ab. Bei jeder unübersichtlichen Kurve oder knacken im Unterholz wurden wir aufmerksam bzw. hellhörig. Eine gewisse Anspannung war durchaus vorhanden.

 

Wir schafften die strenge und technisch anspruchsvolle Fahrt bis zu unserem angepeilten Campground mit Bärenbox ohne Bärenzwischenfall. Unser Zelt stellten wir inmitten vieler Bäumen und Moskitos unter Aufsicht eines sehr neugierigen Rehs auf. 43F37705-DDC0-4311-AF23-C18571CF098BFDF58232-3AFD-43BD-A0FA-7BFB02365FB2Wir waren müde und hofften auf eine ruhige Nacht.

 

 

 

23.05.2019 Cuba- Jemez Spring

Tag 12: 62km nur bergaufwärts mit Gegenwind

Heute sollten wir die Weiten verlassen und in die Berge einsteigen. Die ersten 10 Meilen nach Cuba folgten wir einer asphaltierten Strasse welche ziemlich schnell, ziemlich heftig anstieg. Die Steigung wollte und wollte einfach nicht aufhören. Zudem zog wieder ein starker Wind auf. Doch die unsäglich schöne Gegend mit fein riechenden Fichtenwälder machten die Strapazen schon fast erträglich. Ab und zu gabs eine kurze Snackpause.9C9E1C49-00C6-441A-94CB-D99866C20426Nach 10 Meilen sollte der Trail links in den Wald abbiegen. Wir beschlossen bereits eine Weile vorher bei einer kurzen Pause dies nicht zu tun. Die Waldwege waren je höher es ging mit Schnee bedeckt. 3ADBDC96-0DA0-42AC-A91B-E04D67AB35DEGemäss unserem App würden wir nochmals gute 1000 Höhenmeter zurücklegen und dies auf unbefestigten schneebedeckten Wegen. Wir waren jetzt schon bei 2600 m.ü.M angelangt. Unser Plan war es nun auf der befestigten Strasse bis Los Alamos und von dort nach Santa Fe zu fahren. In Santa Fe wollen wir dann die Schneeverhältnisse nochmals genau checken bevor wir wieder in die Berge, Richtung Colorado einsteigen werden.

Die Strassenführung über die Bergkette war traumhaft schön. E0FD8F3A-66DA-4296-98FD-C2978BD4C23AFür eine kurze Zeit von etwa 10 km wurde aus dem befestigen Strassenbelag eine mit tiefen Furchen ausgestattete Sand-Schotterstrasse. E8462D02-E6EE-4EB4-BE08-B3BA6390726EJetzt fühlten wir uns wirklich weit ab jeglicher Zivilisation. Bären sichteten wir noch keine obwohl diese Gegend, so scheint es uns jedenfalls, ein Paradies wäre.

Den Rest des Tages keuchten wir einen Hügel nach dem anderen hinauf, bis wir in la Cueva bei Jemez Spring vorbei kamen. Völlig erstaunt erblickten wir eine Anlage bestehend aus einem Lokal und einer Lodge. Wir entschieden uns spontan einen Boxenstopp einzulegen. Wir bestellten uns in dem wirklich coolen Lokal eine Pizza.

Diese wurde vor Ort mit frischen Zutaten hergestellt und war einfach nur grandios. Danach waren unsere Bäuche jedoch so voll, dass wir nicht mehr weiterfahren konnten/ wollten. 97225D98-032E-4B67-884A-1D0E8BFCCBECAlso checkten wir in der danebenliegenden Lodge ein.A93AFCA1-DB46-4C6C-8844-F3916121EF88

Das Beste kommt zum Schluss…

Mit unserer Einfahrt in Banff wurde das Ende unsere 7 monatige Reise zu Fuss und auf dem Velo eingeläutet. Wir starteten unser Abenteuer am 30. Dezember 2018 und bestiegen damals das Flugzeug ohne die leiseste Ahnung von all dem was noch kommen würde. Die Zeit die wir in Neuseeland verbrachten verlief zwar nicht nach Plan, doch wir haben für uns das Beste daraus gemacht und würden auch den kurzen Abstecher nach Bali nicht missen wollen. Wir verliessen Neuseeland im April mit gemischten Gefühlen. Einerseits freuten wir uns über all die Abenteuer die wir dort erlebt hatten, andererseits waren wir ein wenig enttäuscht über den Mangel an Feuer welches dieses Land in uns zu entzünden vermochte.

Zurück in der Schweiz rasten die Tage nur so dahin und schon bald hiess es wieder Abschied nehmen.

Anfangs Mai gings auf in den Wilden Westen, wo wir schon bald Tag ein, Tag aus in die Pedalen traten. Über Stock und Stein, bergauf und bergab gings durch 5 Bundestaaten bis nach Kanada. Wiedermal hatten wir über Alles hin gesehen mehr Glück als Verstand. Wir wurden so gut wie nie verregnet, wir blieben gesund, verfuhren uns nur einmal und hatten keine Unfälle, noch nicht mal einen Sturz. Wir begegneten vielen pelzigen Gefährten, darunter 2 Elche, 4 Berglöwen, einigen Schlangen und unendlich vielen Rehen und Hirschen. Wir durchlebten gute und weniger gute Tage. Unsere Hintern und unsere Beine brauchten ihre Zeit um sich an die stundenlange Ackerei zu gewöhnen, doch die wunderschönen Wälder und die unendlichen Weiten machten die Schmerzen locker wieder wett.

Nun sind wir in Calgary und freuen uns noch auf einen weiteren Monat in den USA, wobei wir unsere Bikes einstellen und uns auf einen motorbetriebenen Roadtrip begeben. Wir freuen uns auf Alles was noch kommt und wollen uns an dieser Stelle bedanken, dass du/ihr unser diesjähriges Abenteuer mit soviel Interesse verfolgt hast/habt. Es war sicherlich nicht unser Letztes.

 

Anita und Demi

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14.07.2019 Canmore-Banff

Tag 64: 25 km

Der letzte Tag. Es war so weit, heute trennten uns nur noch 25km schön geteerter und mehr oder weniger flacher Veloweg von unserem Ziel. Wir verliessen unsere Unterkunft  relativ spät und erblickten als erstes mehrere freilaufende kleine Hasen an unterschiedlichen Orten im Städtchen.

Danach setzten wir uns erst einmal in Canmore ins Bagel Bros Café. Dort assen wir in aller Ruhe unser Frühstück, bevor es dann um die Mittagszeit mit gemischten Gefühlen losging in Richtung Banff. Kurz nach unserer Abfahrt begann es bereits zu nieseln und dies würde sich auch den Rest des Tages nicht mehr ändern.

6AD886C7-3C3E-424A-B690-57B237A08912Nach ca. 3 km wurde uns von einer Frau zugerufen, dass weiter vorne auf dem Trail ein Schwarzbär sein Unwesen treiben würde. Sollten wir nun also am letzten Tag doch noch unseren Bären sehen? Wir fuhren weiter und hielten stetig Asschau, doch weit und breit war nichts zu sehen… Dafür war der Weg umso schöner.

Wir begegneten relativ vielen Ausfährtlern, aber keinem Bären. Als wir in Banff ankamen schossen wir als Erstes ein obligatorisches Foto mit dem Ortsschild. 58CC783C-9B17-4819-94AF-3A4D36D5C166Wir hatten es geschafft! Zwei Monate und ~4800km später waren wir endlich am Ziel! Wir fuhren in den Ort hinein und stellten schnell fest, dass es sich hier um das St. Moritz von Kanada handelt.

Überall waren Touris und die Geschäfte waren nicht billig. Wir assen zu Mittag und spazierten ein wenig herum bevor wir einen Hügel hinauf strampelten wo sich unser Hostel befand. Wir checkten ein und sicherten uns in dem 4 Bettzimmer grad die besten Betten bevor unsere Mitbewohner ankamen. Unsere Mitbewohner entpuppten sich als zwei deutsche Endzwanziger die ohne Plan durch Kanada trampten. Wir hätten es schlechter treffen können.

 

 

13.07.2019 Mount Sarrail Campground- Canmore

 

Tag 63: 80 km

Was für eine Aussicht erwartete uns heute Morgen…. fast schon kitschig schön! 88485C9D-D0BE-4106-B9BA-5489050F4536So, nun hatten wir den zweitletzten Tag von unserem Abenteuer in den Bergen vor uns. Das Wetter präsentierte sich von seiner schönsten Seite. Die Kulisse war atemberaubend und so kam fast ein bisschen Wehmut auf.D6F67E2D-04B0-4F5C-83EB-5EBE9F8E9FF0

Wir fuhren anfänglich entlang einer imposanten Bergkette und eines Bergsees.F657E63B-94B0-4C8B-80A4-5A4E846F59C2FA141D05-81A9-4312-A41C-B688BD0CECD6

Den ersten Rast  genossen wir bei exklusiver Aussicht.6AC6AF59-04BD-4718-AAC7-2B91147F5CAF

Danach ging’s stetig auf einer ziemlich staubigen Schotterstrasse aufwärts. 14791C4F-CAF3-4C53-B073-2135D1CBADF1

Wir fuhren an einem weiteren Bergsee vorbei. 43FAC933-1B70-4F6E-9737-EF3C7F9B45C1B387C0F8-51DD-4954-8E2F-AD15BF40E82EDer Streckenverlauf war immer noch ziemlich hüglig und die Unterlage war teilweise etwas knifflig zum fahren. Auf einer Anhöhe war von Demi plötzlich nichts mehr zu sehen, ich wartete und wartete…. Als ich schon ans Umkehren dachte, kam Sie mit einem Lachen im Gesicht um die Ecke. Die Durchfahrt sei unmittelbar hinter mir durch ein sympathisches, behorntes Wesen verunmöglicht worden.0AD2D570-28F7-4004-AFA1-6FADD181063E

Danach fuhren wir durch eine felsige Landschaft entlang eines weiteren Bergsees zur Passhöhe. AD53892A-9F3C-4A03-AD7F-49EA25BFC599Und schon wieder wurde uns die Weiterfahrt abrupt unterbrochen. Diesmal versperrte eine Gruppe von Mountain Sheep unseren Weg.A775FC57-9C3B-4E2A-A560-329B324A9658Der eine hatte einen Coiffeurbesuch bitternötig.258D86E7-B787-4681-ADF9-D59E1B5695AB

Nachdem wir wieder freie Fahrt hatten gings nun mit Aussicht auf Canmore den Pass hinunter. Diesmal verlief die Abfahrt ohne Zwischenfall. Die Tiere hielten sich  vorbildlich am Strassenrand auf.A5665E72-0503-41E0-B3A4-1D53812FB19D

Plötzlich, keine 3km von unserem Tagesziel entfernt, fing es wie aus Kübeln an zu giessen. Wir stülpten uns die Regenjacke über um nicht total durchnässt zu werden. Unglaublich, während den letzten 8 Wochen hatten wir äusserst Wetterglück und kamen fast immer vor dem Regen ins Trockene und am zweitletzten Tag erwischte es uns nun doch noch. Nach kurzer Zeit war es mit dem Regenschauer auch schon wieder vorbei und wir fuhren in Canmore ein. Diese Kleinstadt in Alberta liegt 110 km westlich von Calgary. 1988 wurden anlässlich der Olympischen Winterspielen der Skilanglauf und die Biathlonwettbewerbe in Canmore ausgetragen. Wir suchten uns ein kostengünstiges Motel, was alles andere als einfach war doch etwas ausserhalb wurden wir fündig. Kaum hatten wir unsere Velos und uns ins Zimmer manövriert, fing es draussen jetzt aber richtig arg zu Regnen an und kurze Zeit später hagelte es auch noch. Also wieder Glück gehabt. Morgen ist es dann nur noch ein Katzensprung nach Banff.

 

12.07.2019 Elkford-Mount Sarrail Campground

Die Tag 62: 90km

Irgendwie kamen wir heute Morgen einfach nicht so recht aus den Federn. Wahrscheinlich lag es am nächtlichen Schnarchen unserer Nachbarschaft.

Bei unseren Bikerkollegen war schon emsiges Treiben als wir uns entschlossen auch vorwärts zu machen. Keine Ahnung was die so lange zusammenpackten aber bei uns lief es  zackig und wir stiessen unsere beladenen Velos an den immer noch stehenden Zelten und der Männerschar vorbei und verabschiedeten uns. DC604898-F0F2-44FF-87FF-C22F351F07A5Der Deutsche Biker war mittlerweile wieder etwas mehr motiviert. Er wollte uns unbedingt noch seine Bewunderung und den Respekt für die erbrachte Leistung als  Tochter/ Mutter Gespann aussprechen. Er war noch nicht ganz so überzeugt ob er die ganze Strecke durchhalten werde.

Mit dem Wissen, dass wir nun in abgelegenes Grizzlibärengebiet fuhren, dass anscheinend sogar die Einheimischen mieden, war uns schon ein wenig mulmig zu Mute. Ich entschärfte den Bärenspray sodass dieser unmittelbar in Einsatz gebracht werden könnte. Weiter kam unser kleiner Lautsprecher zum Einsatz indem wir über    Spotify in voller Lautstärke Musik hörten. 21A9470F-445F-4694-945E-732B276D5B57So fuhren wir mit Discomusik der 70er Jahre in den Wald hinein. Schon bald kamen uns zwei Biker entgegen die ziemlich geschafft aussahen und uns auch nochmals von den argen Steigungen erzählten die uns noch erwarten würden.

Je länger wir unterwegs waren, desto wärmer wurde es.

Demi hatte solch eine Freude an ihrer Bärenhupe, dass sie diese mehrere Male an diesem Tag als Warnung an die Bären zum Einsatz brachte und währenddessen übers ganze Gesicht strahlte. Unglaublich…. Sie freute sich über doch recht laute Horn wie ein kleines Kind.

Der Wegverlauf war schon teilweise steinig und streng aber wir hätten es uns aufgrund der Erzählungen um einiges härter vorgestellt. Als wir uns im Aufstieg zum Elkpass befanden wurde es dann schon so steil, dass wir uns nicht mehr mit dem Velo fortbewegen konnten. So stiessen wir unsere Vehikel den Stutz hinauf und trainierten gleichzeitig noch unsere Oberarme, was ja auch nicht schaden konnte.

Als wir dann den höchsten Punkt erreicht hatten waren wir nicht unglücklich. Die Abfahrt war nicht minder steil und benötigte von uns nochmals einiges an Konzentration. Alles lief gut und wir freuten uns schon bald in unseren Schlafsäcken zu liegen und die Beine von uns strecken zu können. 9B502268-37A4-464F-8443-1E90FFDE0656Leider wurde daraus nichts. Sämtliche Campground‘s waren komplett ausgebucht. Wir fuhren noch einige wenige Meilen bis wir an einem wunderschön gelegenen Campground hinter einem Trailer der Campgroundverantwortlichen Asyl erhielten.

 

 

 

 

11.07.2019 Fernie – Elkford

Tag 61: 65km

Als wir gestern in Fernie ankamen waren wir nur kurz im umtriebigen Ortskern zu Besuch. Dies wollten wir heute Morgen noch nachholen und so radelten wir hinauf ins Zentrum von Fernie und setzten uns in ein Café. DB8FC7A9-415C-40A3-8D84-714A54EA7FB8Die Kanadier sind sehr freundlich und leger was uns natürlich gut gefällt. Während wir einen Smoothie tranken, wurden wir fortwährend auf unser Vorhaben aufgrund unserer vollbepackten Velos angesprochen. Schon jetzt wurden wir beglückwünscht obwohl wir’s ja noch nicht ganz geschafft hatten.

Danach ging’s weiter bis nach Sparwood wo wir uns den grössten Truck der Welt anschauen wollten. Dieser war dann wirklich ein Riesen Ungestüm. Ich kam mir neben dem Vorderrad wie ein Zwerg vor und so klein bzw. kurz bin ich ja auch nicht…

Nachdem wir dieses Monstrum besichtigt hatten, fuhren wir weiter Richtung Elkford.

In Elkford kamen wir bereits  Mitte Nachmittag an. Ein Weiterfahren machte jedoch keinen grossen Sinn, da wir nun bis Canmore in eher schwierigem, anspruchsvollem Gelände unterwegs sein würden. Auf dem schön angelegten Campground waren wir nicht die ersten Biker. Es hatte sich bereits eine grössere Männerclique häuslich eingerichtet.5D635C1C-F21B-4374-9FF1-A5DB8112239D Diese war vor 3 Tagen in Banff gestartet und sie erzählten uns die reinsten Schauermärchen. Es werde für uns ziemlich heftig werden und der Elkpass sei extrem steil. Ebenfalls machten wir mit einem Deutschen Biker Bekanntschaft. Dieser hatte nach 3 Tagen auf dem Trail nun gerade (in seinen Worten) die Schnauze voll. Es sei ein zermürbender Tag gewesen und er sei kaum vorwärts gekommen.  Wir liessen uns nicht gross aus der Fassung bringen denn wir sind nun seit 8 Wochen mit dem Velo unterwegs und haben schon so einiges erlebt. Bis jetzt lief alles gut und wir waren überzeugt, dass wir die verbleibenden Tage auf dem Trail auch noch gut über die Runden bringen würden.

Am späteren Abend bekamen wir noch Besuch von einer Rehfamilie.07417CE4-A29E-47CA-8D6D-57EE6C3D4C2F

10.07.2019 Edwards Lake Recreation site- Fernie

Tag 60: 70 km

Nach einer überraschend ruhigen Nacht, machten wir uns auf einen langen Tag auf der Strasse gefasst. Wir hatten uns gegen den schlammigen Singletrack und für den asphaltierten Highway entschieden und damit würden wir es heute bis nach Fernie schaffen.6EECCE18-4833-4755-AE35-C0E6B5FFC262

Obwohl wir uns auf einfachem Terrain bewegten, blieben wir nicht vor fiesen Hügeln verschont. Aus der steilen Abfahrt wurde schnell ein noch steilerer Anstieg. Glücklicherweise gestaltete sich jedoch der Grossteil der Fahrt als angenehm und auch der Verkehr war akzeptabel. 5BD3BDA8-5A37-4DD7-92E6-24F183DFC90ENur das Wetter wollte nicht so richtig mitspielen, immer wieder ergossen sich kurze Regenschauer über uns.

Es war ausserdem beruhigend zu sehen, dass wir nicht die Einzigen waren, die sich für diese Route entschieden hatten. Immer wieder grüssten wir auf der anderen Strassenseite entgegenkommende Velofahrer. Als wir das erste Motel am Eingang von Fernie erreichten hielten wir an und fragten nach einem Zimmer. Sie waren komplett ausgebucht… Also fuhren wir in den Ort hinein und erkannten schnell, dass dieser viel grösser war als erwartet! Da wir die ganze Fahrt hindurch nicht wirklich Pausen eingelegt hatten, waren wir inzwischen ziemlich hungrig. So setzten wir uns ins erstbeste Restaurant und bestellten etwas zu Essen. Während wir darauf warteten, lief ich rasch über die Strasse zum angrenzenden Motel und konnte uns dort das letzte Zimmer sichern. Erleichtert, dass wir einen sicheren Schlafplatz hatten, genossen wir unser Essen umso mehr.

Danach checkten wir ein, duschten und wuschen unsere Kleidung. Dies wird der letzte Stopp vor dem Ziel sein.

09.07.2018 Tuchuck Campground- Edwards Lake Recreation Site

Tag 59: 80 km

Was für ein Morgen… vor unserem Zelt genoss ein Wildhase sein Frühstück und das Reh vom Vorabend schlich auch schon wieder um uns herum.5F1A6AE4-7C8F-4C51-A188-F9FA669BC43A

Uns trennten nur noch wenige Meilen von der kanadischen Grenze. Kaum zu glauben…

Zuerst gings jedoch über Schotterstrassen den Berg hinauf. Der Weg schlängelte sich an unterschiedlichster Fauna und Flora vorbei.C2D1B7F5-C907-4F84-A5EF-5B009B63CA1D Die Aussichten waren einmal mehr fantastisch. 2559E170-643E-419B-904D-4F9659D6A4B8Bei einer Abfahrt sichteten wir beim vorbeifahren zwischen Nadelbäumen in unmittelbarer Nähe von uns ein Elch. Anhalten war keine Option da die Elche unberechenbar und nicht ungefährlich sein können.

Anfangs Nachmittag fuhren wir durch Eureka. Eureka ist eine kleines Örtchen in Lincoln County, Montana, 9 Meilen südlich der kanadischen Grenze. 9FCB9753-BC7B-401A-A3A7-87CE6EC4F2C4Wir waren hungrig und so setzten wir uns in ein Restaurant, dass angeblich aussergewöhnliche Burger seinen Gästen servierte. Tatsächlich… wir bestellten einen vegetarischen Huckleberry Burger und bekamen diesen mit einer Huckleberry Glacekugel serviert. 0161CFC2-6919-4332-AD2C-C3B3E087554CUngewöhnlich, aber äusserst lecker. Zum Abschluss bekamen wir auf unseren weiteren Weg ein paar hausgemachte Cookies geschenkt.

Die restlichen knapp 15 km bis zur Grenze gingen flott und so standen wir kurze Zeit später mit dem Schweizerpass in den Händen vor dem Zollhäuschen. 160B43F3-0E4D-4ECF-A2D9-BC152B345D47Innert 2 Minuten hatten wir den kanadischen Stempel und Glückwünsche vom Zollbeamten erhalten. Das ging unkomplizierter als wir es erwartet hätten. Nun befanden wir uns also tatsächlich in British Columbia in Canada.C07AADC3-CC2A-48DE-8C27-7EB8BDA75053

Bis zu unserem geplanten Nachtdomizil am Edward Lake zog es sich dann doch noch eine Weile hin. Die Lage am See war dann aber wunderschön und sehr idyllisch.87087288-1088-4029-9FC0-7479F7A4B6F5 Demi genoss eine kurze Abkühlung im See.7B9AF578-677C-4EB2-AF29-29320023922BDa wir uns inmitten eines Grizzlybären Gebiet aufhielten, kamen wir nicht umhin unsere Esswaren in die Bäume zu hängen. Nach einigen Fehlwürfen und vollem Körpereinsatz von Demi, baumelten dann unsere Säcke professionell an einem Ast. Für wie lange wirds sich zeigen….

Wir genossen noch lange die warmen Sonnenstrahlen ausserhalb des Zelts. Immer wieder wurden wir von nicht zu ortenden Geräuschen aufgeschreckt.  Der Bärenspray und die Hupe hatten wir jedenfalls griffbereit.

 

 

 

 

07.07.2019 Whitefish-West Glacier- Logan Pass- Sprague creek Campground

Tag 57: 36km

Heute war das erste Mal in 2 Monaten, dass wir uns einen Wecker gestellt hatten. Um 6 Uhr schrillte dieser und wir standen schnell auf. Fürs Frühstück blieb keine Zeit, denn schon um 7 Uhr mussten wir beim Bahnhof sein. Dort angelangt nahmen wir alle Taschen von den Velos und warteten bis der Zug einfuhr. D275423B-2C76-4559-8ED5-331DA2D402BDErst hiess es wir müssten die Fahrräder ganz vorne beim Zug einladen und sie dann in West Glacier dort wieder abholen. Schlussendlich konnten wir sie jedoch im selben Wagen unterbringen in welchem auch wir sassen.

In West Glacier angekommen bepackten wir unsere Velos wieder, mittlerweile ging dies ziemlich schnell. Wir fuhren vom Bahnhof zum Visitor Center des Glacier Nationalparks. 582384FE-D799-49E8-965B-0C421E7485E17F2B18BE-ACE8-449C-A6F8-3AF7CAA1F521Dort erfuhren wir, dass es im Park Sperrzeiten für Velofahrer gibt, da die Strasse sehr eng und das Verkehrsaufkommen zwischen 9 und 16 Uhr extrem hoch ist. Gleichzeitig wurde uns mitgeteilt, dass es ein Shuttle gibt, welches einem gratis auf den Logan Pass bringt und dass dieses auch Bikes transportieren könne. Das musste uns nicht zweimal gesagt werden, kurzerhand stellten wir uns in die Schlange beim Shuttle. Nach einiger Wartezeit waren wir an der Reihe, doch irgendwie gab es Probleme mit dem Verladen unserer Velos und so erhielten wir kurzerhand unser privates Shuttle. Das tolle daran war, dass uns dieses, im Gegensatz zum regulären Shuttle, ohne umsteigen auf den Pass bringen würde! Wir genossen es sehr ohne Mühe nd Schweiss, bequem sitzend den Berg zu erklimmen. Die Aussicht war fantastisch!

Doch keine 10 Minuten nach Abfahrt war Mama schon eingenickt, das sanfte Ruckeln des Fahrzeugs hat ihr wohl den Rest gegeben. Oben angelangt bauten wir unsere Velos zum zweiten Mal an diesem Tag wieder zusammen und schauten uns ein wenig um. Unsere Idee war es nun vom Pass die selbe Strecke die wir hochgefahren sind, mit dem Velo wieder runter zu düsen, denn in diese Richtung gab es keine Sperrzeiten. Nachdem wir auf dem Gipfel Fotos gemacht und nun endlich auch gefrühstückt hatten, setzten wir uns auf die Velos und fuhren los. Es war grandios!

25km voller toller Ausblicke, ohne strampeln und mit unzähligen Fotostopps. 3FC1B0B2-10CE-4716-B202-36443D53D03BF7188EA2-5390-40A1-85F9-BC28AE49C0D7F52008C4-CDA7-45FC-B5A5-347891FBCE99Bei einem Halt begeneten wir sogar einem so gar nicht menschenscheuen Hirschen.3D405786-D11C-46F7-A302-DB640275D586 Auch das Wetter spielte mit und hielt den Regen wieder bis am Abend zurück.

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Wieder beim Lake McDonald angelangt, legten wir bei der dortigen Lodge eine Trinkpause ein und entschlossen uns dazu beim nächsten Campingplatz für heute Feierabend zu machen. 120943A4-9793-46D1-A6B0-FAE96B0417F3Das Tolle ist, dass auch im Glacier NP die meisten Campingplätze über designierte Hiker/Biker Spots verfügen und wir so selbst auf ausgebuchten Zeltplätzen immer noch ein Plätzen finden können. So war es dann auch bei unserem heutigen Tagesziel. Der Sprague Creek Campground verfügte über 5 Hiker/Biker Sites, von denen bereits eine belegt war als wir ankamen. Wir richteten uns ein und ich setzte mich etwas an den See und genoss die Ruhe, während Mama ein Nickerchen einlegte.29F8DCEC-EEF3-48BB-B113-31C8A9D4ABC6 Nach dem Abendessen wollten wir gerade eine Runde Jokern, als es wie allabendlich zu regenen begann, also verlegten wir unsere Spielrunde ins trockene Zelt.

06.07.2019 Whitefish

Tag 56: Zeroday

Wir haben uns gestern Abend entschieden, dass wir die nächsten 2 Tage den Great Divide Trail verlassen und einen Abstecher in den naheliegenden Glacier Nationalpark unternehmen werden. Der 1910 gegründete Glacier Nationalpark liegt an der Ostflanke der Rocky Mountains und zeichnet sich durch majestätische Gipfel aus.

Bevor wir in Richtung West Glacier losfuhren, machten wir noch einen Abstecher ins Örtchen Whitefish um einen Chai Tea zu trinken.

Auf dem Weg dorthin kamen wir bei der Bahnstation vorbei.E0475500-F0FD-4575-A23A-46E19E6E675F Nur so aus „Gwunder“ ging Demi an den Bahnschalter um sich zu erkundigen ob ein Personenzug nach West Glacier fahren würde. C1F8D956-132E-42F3-AA0A-B533CE71EF77Tatsächlich fährt dieser jeweils morgens um 7.40 Uhr die knapp 50 km Strecke. Für uns war der Zug für heute bereits abgefahren. Unterdessen verdunkelte sich der Himmel beängstigend schnell und wir wurden informiert, dass es heute mehr oder weniger den ganzen Tag immer wieder stürmen und regnen würde.4A8E6173-8014-44B2-A88B-14D321D39F3F Die Entscheidung war dann unter diesen Prognosen schnell gefällt. Wir kauften die Bahntickets für Morgen und pedalten auf den nächsten Campingplatz. Somit hatten wir einen nicht geplanten aber durchaus erholsamen Zeroday. Am frühen Abend schlenderten wir nochmals durch das sympathische Whitefish und freuten uns auf den morgigen Tag.