05.01 Sterling Point – Invercargill

Der grosse Tag ist endlich da! Um 7:30 Uhr packten wir unsere Sachen und fuhren zum Flughafen um unser Auto abzugeben. Kurz darauf wurden wir von einem Bus abgeholt und nach Bluff zum Sterling Point kutschiert. Sterling Point ist einerseits der südlichste Punkt Neuseelands und andererseits der Start des Te Araroa Trails für Northbounder. Wir schossen die obligatorischen Startfotos und machten uns frisch und munter auf den langen Weg nach Norden. Das Wetter war traumhaft und die Aussicht atemberaubend.

Leider währte diese Idylle bloss 4km. Da kamen wir nämlich zu einem Schild welches uns mitteilte, dass der Te Araroa für die nächsten paar Kilometer gesperrt sei und wir einer Umleitung folgen sollten, wo diese aber konkret durchführen sollte wurde nicht mitgeteilt. Zu Beginn war dies nicht weiter problematisch, da es nur einen alternativen Trail gab welcher auf den Hügel hinter der Küste führte. Wir begannen also den Aufstieg mit der Annahme, dass wir bald wieder auf eine Markierung stossen würden die uns den Weg weist. Oben auf dem Hügel angekommen war davon weit und breit keine Spur. Wir folgten daraufhin der asphaltierten Strasse die vom Hügel runter zurück nach Bluff führte, in der Annahme, dass der Trail wohl auf dem Weg dahin abzweigen wird. Wir waren noch keine 10km unterwegs und hatten uns schon verirrt, das fing ja gut an… Nichts desto trotz war die Stimmung noch gut und wir waren zuversichtlich. Auf halber Strecke nach Bluff zweigte dann tatsächlich ein schmaler Weg links ab. Trotz fehlender Beschilderung beschlossen wir ihm zu folgen. Nach 2-3 Sackgassen landeten wir auf einem offiziellen Weg welcher einem Stacheldraht entlang führte, leider war es noch nicht der Te Araroa, aber zumindest die Richtung stimmte. Als der Trail plötzlich wieder zu steigen begann, anstatt in Richtung Meer zu führen, kletterten wir kurzerhand über den Stacheldraht um querfeldein nach unserem Weg zu suchen. Mit aufgekratzten Händen und Füssen fanden wir uns auf einer versumpften Kuhweide wieder. D0DF82E7-D210-4363-BC50-6FD78B2770C8.jpegWir konnten nun den Te Araroa in der Ferne erblicken und steuerten ohne Angst vor Verlusten auf direktem Weg darauf zu. CA261D66-FF7F-4D82-9163-5A11DB5BAF1C.jpegNach 1.5h auf Abwegen waren wir endlich wieder auf dem richtigen Track. Wir setzten unsere Reise nach Norden weiter fort und beschlossen kurze Zeit später eine wohlverdiente Pause einzulegen. Unser Rastplatz befand sich mitten auf einer Schafweide und wir genossen dementsprechend erstklassige Pausenunterhaltung.

15min später brachen wir wieder auf. Wir trafen immer wieder auf Zäune und Tore die wir überklettern mussten, mit 25kg auf dem Rücken keine leichte Aufgabe. Nach 10 gelaufenen Kilometern und einer gefühlten Ewigkeit erblickten wir endlich die erste Markierung auf dem Trail, Halleluja! Leider währte unser Glück nicht lange, denn keine 5min später hatten wir uns wieder verirrt. Ein freundlicher Herr half uns netterweise wieder zurück auf die richtige Fährte. Ein überstiegener Zaun und eine alleinstehende Markierung später waren wir auf der Suche nach der nächsten Beschilderung jedoch schon wieder verloren. Wir stapften durch Knie bis Schulter hohes Gras auf die nächste Dreckstrasse zu. Dort angelangt trafen wir auf denselben Herrn der uns vorhin schon aus der Klatsche geholfen hatte. Diesmal wollte er auf Nummer sicher gehen und begleitete uns zur besagten Abzweigung. Wir kamen uns ehrlich gesagt ziemlich dämlich vor. Die Wegführung liess zu unserer Verteidigung  aber auch wirklich zu wünschen übrig. Nach weiteren 5min Fussmarsch gelangten wir an die Hauptstrasse die von Invercargill nach Bluff führte und über welche wir diesen Morgen zum Start gelangt waren. Wir fühlten uns als würden wir auf der Stelle treten. Da unser App uns anzeigte, dass die nächsten 15km zurück nach Invercargill der Hauptstrasse entlang führten, beschlossen wir uns unserer anderen Leidenschaft zu widmen, dem Autostöpplen. Auf dem PCT hatten wir dabei die interessantesten Bekanntschaften gemacht und erhofften uns auch in Neuseeland einige spannende Geschichten zu erleben. Ausserdem haben wir schon im Vorfeld zu unserer Wanderung besprochen, dass wir jegliches Roadwalking, sofern möglich, mit Autostopp überspringen möchten. Kaum hatte ich den Daumen rausgestreckt, hielt auch schon das erste Auto an und offerierte uns eine Mitfahrgelegenheit zurück in die Stadt. Terry besitzt in Bluff einige Fischerbote und ist Mitglied eines Urstammes in der Nähe von Invercargill, alles in allem ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Wiedereinmal bestätigte sich unser Bild der überaus freundlichen und hilfsbereiten Neuseeländer. Terry setzte uns am Rande der Stadt ab und wies uns den Weg. Dieser führte zwar ein weiteres Stück der Strasse entlang, diesmal gab es aber ein Trottoir welches wir nutzen konnten. Das Wetter wurde unterdessen immer schlechter und es dauerte nicht lange bis der Regen zurückkehrte. Wir schafften es gerade noch in ein kleines Café in Otatara bevor es so richtig zu schütten begann. Dort assen wir zu Mittag und hofften, dass sich der Regen bald etwas legen würde. Unterdessen klagte Mama über Rückenschmerzen und zeigte mir sogleich die Ursache dafür: Ihr Rucksack war kaputt! Ich habe keine Ahnung wie sie es 30km damit ausgehalten hat! Obwohl das Gestänge gebrochen war und damit extrem schmerzhaft in den Rücken stach, wollte sie damit weiterlaufen. Für mich kam das nicht in Frage und ich beharrte darauf, dass wir zurück nach Invercargill hitchen um einen neuen Rucksack zu besorgen. Mit dem Gedanken daran, dass es schon 16 Uhr war und die Läden in einer Stunde schlossen, bevor sie erst Montags wieder öffneten, liess sich Mama überzeugen. Ich war noch nicht einmal vom Tisch aufgestanden, als sie schon das erste Auto gestoppt hatte das vorbeifuhr. Lina erzählte uns, dass sie eigentlich nie für Autostöppler anhielt, doch diesmal hätte sie wegen des Wetters Mitleid gehabt. Zu unserem grossen Glück war sie gerade auf dem Weg zu einem Outdoorgeschäft in Invercargill, also genau an den Ort wo auch wir hin mussten. Das Glück schien wieder auf unserer Seite zu sein. Beim Outdoorgeschäft angelangt waren die beiden Mitarbeiterinnen sofort Feuer und Flamme um Mama aus ihrer misslichen Situation zu erlösen.AA878DFA-6035-4A02-8027-CD367ADEC124.jpeg Zuerst packten wir alle ihre Sachen in einen 50l Rucksack, wobei wir schnell einsehen mussten, dass dies nicht reichen wird. Also packten wir alles wieder aus, um es dann in ein 65l Modell zu räumen. 30min Packerei und 200.- später hatte Mama einen neuen Rucksack und ich das Gefühl wir hätten uns keinen Milimeter vom Fleck gerührt. Wir verliessen das Geschäft mit der Idee nun nach Otatara zurück zu hitchen um dann noch einige Kilometer an den Strand zu laufen wo wir unser Zelt austellen wollten. Wir mussten schnell einsehen, dass daraus nichts wird, das Wetter machte uns einen fetten Strich durch die Rechnung. Nun sitze ich wieder im gleichen Café in Invercargill wie schon die vergangenen zwei Tage und schreibe diesen Eintrag. Der einzige Unterschied sind die Gliederschmerzen und der fette Ausschlag auf den Beinen vom Gestrüpp das den Weg unseres heutigen Abenteuers gesäumt hatte.

Wir haben uns für die Nacht ins Hostel eingemietet und hoffen auf bessere Bedingungen für morgen. Langweilig wird uns auf alle Fälle nicht.

Ein Kommentar

  1. Claudia · Januar 5

    Hallo ihr zwei, ihr hattet wirklich schon einen interessanten 1. Tag. Ich hoffe, dass Wetter ist gut zu euch und ihr könnt bald auf dem richtigen Weg weiter. Gute Besserung und bis bald, Claudia

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