28.06.2019 Fuller- Helena

Tag 48: 65km

Da wir am Vorabend unser Zelt unter Tannenbäumen aufgestellt hatten konnten wir morgens nicht so recht abschätzen wie das Wetter sich entwickeln würde. Jedenfalls fühlte sich das Zelt recht trocken an. Ein Blick nach draussen zeigte einen eher gräulichen Himmel. Aber eben…. dies kann sich hier sehr schnell ändern. Und so war es dann auch. Es war eher schwül, demzufolge strampelten wir bereits leicht bekleidet und ohne Handschuhe los😀. Die ersten 8 km führten mehrheitlich im Wald und bergauf. 045C57E1-4618-4FE6-9042-EF29FE0B5B12Während wir in unserem  Rythmus bergwärts fuhren sichteten wir ein wunderschönes schlichtes Holzhaus mitten im Wald. Das wäre ein cooles Feriendomizil.9B3681AC-9EE0-49E5-8DAC-5D8495704681

Die Schotterstrasse wurde an teils Stellen dann so richtig anspruchsvoll, mit einigen sehr tiefen und unebenen Schlaglöchern. Als es ein wenig ebener wurde tauchte vor uns das ehemalige Minenörtchen Comet auf. Die Holzhäuser waren in einem desolaten Zustand. Eigentlich schade…BE7BDB48-5BD6-4D98-AEFD-0A9260A26D62

Als wir den Aufstieg geschafft hatten, gönnten wir uns eine kurze Pause bevors dann auf der anderen Seite bergwärts hinunter ging. Dies war nicht minder anstrengend da die Trailbedingungen alles andere als einfach waren. Wir mussten uns durch tiefe Furchen, grobes Geröll und Sand durchkämpfen. Als wir das Gröbste, auch teilweise zu Fuss, geschafft hatten, durchquerten wir ein sehr „abgefucktes“ Örtchen Namens Wickes.CD884E98-8155-4E17-B7EA-A1202E7AA602 3 Hunde und einige Ziegen bildeten unser Willkomenskomitee.

Durch die eher schwierige Unterlage waren wir noch nicht so weit wie wir dachten. Dann kamen noch zwei kleinere Irrfahrten dazwischen und so fuhren wir ohne Pause Richtung Helena weiter. 4FF00F7B-FB24-4338-A50B-3BA4239E15D0Die Strassenverhältnisse wurden nun um einiges komfortabler und wir kamen trotz aufkommendem Gegenwind recht zügig vorwärts. Nun galt es nur noch einige Hügelketten bis Helena zu meistern und so traffen wir etwas nach 14 Uhr dort ein. 477E38DC-42D4-417E-A81D-EE2E303C64BB

Helena ist die Hauptstadt des US- Bundesstaats Montana. Es hat wegen seiner Lage ein typisches kontinentales Gebirgsklima. Das Wetter reicht von klirrender Kälte       ( bis unter -30 Grad ) im Winter bis hin zu sommerlicher Hitze mit Höchstwerten jenseits der 30 Grad Marke. Winterliche Schneestürme, die sogenannten Blizzards bringen der Stadt enorme Schneemengen. 

Wir denken mit 24 Grad und schönem Wetter bei unserem Eintreffen in Helena können wir zufrieden sein😀

Bei der Suche nach einem Motel startete Demi eine App und kurze Zeit später checkten wir im Americas Best Value Inn ein. Als wir eintraffen war bereits Action mit Polizei, Feuerwehr und Ambulance. Wir kamen uns vor wie in einem schlechten Film. Die Receptionsdame war ebenfalls ziemlich schräg. Als wir das Zimmer betraten war der Gestank nach Rauch und sonstigem Undefinierbarem für uns nicht auszuhalten. So wollten wir keinen Zeroday verbringen. Wir brauchen keinen Luxus  aber ein wohlriechendes Zimmer wäre schon angenehm. Nach einigem Hin und Her bekamen wir ein anderes Zimmer das soweit ok war. Wir haben festgestellt , dass sich einige Leute in diesem Motel häuslich eingerichtet haben. Es sieht danach aus, dass einige Bewohner sich hier für längere Zeit eingemietet haben. Unvorstellbar….

Morgen werden wir Helena genauer begutachten.

 

 

27.06.2019 Butte – Fuller

Tag 47:  70km

Bei eitel Sonnenschein und ziemlich warmen Temperaturen machten wir uns um 9 Uhr auf zur Autobahn. Jawohl, in den USA ist es in den meisten Staaten erlaubt die Interstate zu nutzen, das Pendant zu unseren Autobahnen. 9A5E5CD7-EF6D-4A3E-9254-2211EDBD3018Da der Seitenstreifen recht breit war, war dies auch kein Problem. Wir hatten die Interstate sowieso für uns alleine es war nämlich weit und breit kein Auto in Sicht. Die ersten 7 Meilen gewannen wir stetig an Höhe. Auf dem Hügel angelangt zweigten wir von der Interstate auf eine parallel verlaufende Nebenstrasse ab.768F3AB8-09D0-48D5-BDCF-77E6C5B511FB Wir legten bei ein paar Bäumen eine kurze Pause ein, wir mussten einige Schichten ausziehen, denn das erste Mal auf dieser Reise war es richtig heiss. Nach der Pause gings einige Meilen gerade aus und wir kamen super vorwärts. Irgendwann ging die Strasse in einen Kiesweg über und die Sache wurde um einiges abenteuerlicher.BE12D599-7863-41B0-91C3-160F96613D2E

Wir fuhren durch Wälder und an einem übelriechenden Weiher vorbei. 912FBB0F-3038-4978-A011-0F08B69B6C50Der Himmel verdunkelte sich unterdessen zunehmend. Bei einem sehr steilen Hügel mussten wir die Bikes eine Weile stossen, doch ein bisschen Abwechslung hat noch niemandem geschadet. D3219F1B-260C-437E-AD08-45DC51912AC4Nach einer rasanten Abfahrt durchquerten wir noch einen stockfinsteren Tunnel und dann war auch schon Basin in Sicht.

Basin ist ein kleines ehemaliges Mienendorf. Heute gleicht es eher einer Geisterstadt. Da der Himmel mittlerweile nach Weltuntergang aussah, suchten wir im einzigen Restaurant weit und breit Zuflucht.

Kaum waren wir drin öffneten sich auch schon die Himmelspforten und es hagelte Golfbälle. Wären wir nur 5min später angekommen hätte es uns voll erwischt. Wiedermal hatten wir mehr Glück als Verstand gehabt. Wir assen und warteten ab. Geschlagene 3h später hatte sich der Himmel etwas gelichtet und wir hatten unterdessen Freundschaft mit dem Kellner geschlossen, der uns von seinen Träumen als Automech und Dragrace-Fahrer berichtete. Wir verabschiedeten uns in der Hoffnung nicht nach fünf Minuten gleich verregnet zu werden. Wir fuhren noch 4 Meilen bevor der Himmel wieder dunkel wurde und wir beschlossen das Zelt auf enahe an einem Fluss aufzustellen.

Wieder begann es dann zu regnen, als wir uns schon im Zelt eingekuschelt hatten. Glück gehabt!

26.06.2019 Divide Bridge Campground – Butte

Tag 46: 55km

Wir erwachten in einem triefend nassen Zelt. Mama erzählte mir, dass es in der Nacht immer wieder starke Niederschläge gegeben hatte. Ich hatte jedoch so tief geschlafen, dass ich von alledem nichts mitbekommen habe. Also spulten wir unser übliches Ritual ab und legten das Zelt zum trocknen in die Sonne. 195179A5-DF21-426E-A8D1-75C8D80033D4DDAFCA31-2F69-4DC4-ACA0-3F56CF00B388Währenddessen kam ein Arbeiter zu uns herüber und fragte uns was wir machen und ob wir uns über die heutige Wettervorhersage bewusst seien. Wie so üblich waren wir mit unserer „happy go lucky“-Mentalität unterwegs und hatten keine Ahnung, wir müssen ja so oder so strampeln. Er erzählte uns dann, dass am Nachmittag Hagelstürme erwartet werden. Wir dankten ihm für die Auskunft und packten zügigst das Zelt ein und fuhren los. Uns trennten nur 50km von Butte und wir beschlossen dort dann zu entscheiden ob wir noch weiterfahren würden oder ob uns das Wetter in ein Motel treiben würde. Die Route führte uns erst entlang einer geteerten Nebenstrasse und ging dann in eine Schotterstrasse über. BFA08CE3-B488-4CE6-A94B-2DA968E74BD9Plötzlich standen wir mitten in einer Kuhweide und der Weg war zu Ende. 53C2C57C-092F-46EC-950F-589D578A565BManchmal kann man der Routenführung des Navis einfach nicht trauen… Immerhin führte parallel zu uns die Interstate vorbei und wir hieften kurzerhand unsere Velos und uns selbst über den Zaun und setzten unsere Reise auf dem Seitenstreifen der Interstate fort.

Wir waren uns über der Legalität dieser Aktion nicht ganz im Klaren, doch als ein Polizeiwagen ungerührt an uns vorbeibretterte entspannten wir uns ein wenig. Die Sache war dennoch nicht ganz ungefährlich, denn die Autos blochten hiermit über 100 Sachen über den Asphalt. Bei einer Tankstelle kurz vor Butte legten wir eine wohlverdiente Verschnaufpause ein und setzten dann die restliche Strecke bis zum Ortskern auf einem Velotrail zurück. Diesmal schaffte es eine Schlange die Schotterstrasse unbehelligt von Mamas Rad  zu queren.

94E754C6-0EA8-4867-98FD-781CC12EA85E995A70F1-A275-4DB5-B8F6-2D26909EBBA5In Butte angelangt setzten wir uns ins Hummingbird Café wo wir Reis, Bohnen, Salat und Ciabbatta Brötchen genossen.

3FBEDF4F-7520-4707-A385-2E3ADAE109A4

Der Himmel hatte sich in der Zwischenzeit verdunkelt und es hatte wieder stark zu winden begonnen. Wir beschlossen es für heute gut sein zu lassen und quartierten uns in einem Days Inn ein.8205C229-C99A-4B71-B17B-313C0535A3E4

Zu unserem Verdruss wurde es gegen Abend hin wieder schön und warm, von Hagel war den ganzen Tag keine Spur zu sehen. Naja, dafür konnten wir etwas entspannen und die Füsse hochlegen.

25.06.2019 Dillon- Divide

Tag 45: 75km

Bevor wir losfuhren statteten wir dem Safeway in Dillon einen Besuch ab.

 

Wir benötigten noch einige Esswaren. Bei der Fahrt dorthin rief auf einmal jemand vom Strassenrand „Hi Anita und Demi“ Es war Dave der nun vom Great Divide Mountainbike Race eine Woche pausierte.

Als wir unsere Kommisionen erledigt und alles verstaut hatten, sah der Himmel alles andere als einladend aus. Dunkle Wolken zogen auf und der Wind blies auch schon ziemlich heftig. Doch jetzt gab es kein zurück mehr. Wir zogen vorsorglich schon mal die Regenjacke und die Gore Tex Schuhstülpen über.

Bis anhin hatten wir wirklich grosses Wetterglück bzw. wenns dann mal regnete schafften wir es meistens gerade noch ins Trockene. Heute sah es nicht danach aus und so radelten wir bei leichtem Regen los. Als dieser jedoch immer heftiger wurde suchten wir bei einem Blockhaus mit Veranda Unterschlupf und sassen das Gröbste aus. Nach gut einer Stunde liess der Regen etwas nach und so starteten wir den nächsten Versuch. Zwischendurch hatten wir eine trockene Phase und versuchten entsprechend Gas zu geben. Die Weltuntergangsstimmung um uns herum war beeindruckend.4D9C1BBC-A018-4968-AEC0-FE515CF4000199ACFFCA-5F54-4741-9D8E-4646F79F1A7216CB202E-1084-4A93-93E6-24B850E5384F

Irgendwann tauchte am Strassenrand eine Tankstelle mit cooler Bar auf. Kurze Zeit später sassen wir am Tresen und tranken heisse Schokolade. 3A37F862-9B2F-4F2B-90DD-C487B392B6C4Natürlich wollte auch die Bardame unsere Geschichte hören und war fast ein wenig entsetzt ob unserem Vorhaben. Sie konnte sich das überhaupt nicht vorstellen wie man auf die Idee kommt mit dem Velo durch Amerika zu fahren. Als sie mitbekam dass wir Mutter und Tochter waren fand sies dann „Amazing“

Um etwas nach 15 Uhr gings dann weiter bis zu einem Zeltplatz direkt am Fluss. Kurz davor mussten wir bei einem interessanten Café-Blockhaus  nochmals einen Stopp einlegen. Das Innere des Blockhauses entpuppte sich als ein absolutes Highlight im Nirgendwo. Es standen antike Truhen, Koffern, Holzkisten, Bilder u.v.m. zum Verkauf.4FD77993-CB9F-4167-A199-973456911BC1B6584138-0AE4-4428-93CA-94330F45E38DE9B214BD-A979-4B46-80CA-F35ED1EF56C6

Demi konnte es nicht fassen, da stand doch tatsächlich eine wunderschöne grosse alte Ledertruhe für ein Schnäppchenpreis. Wären wir mit dem Auto unterwegs gewesen wäre dieser sicher im Kofferraum gelandet. Aber so ging das natürlich nicht…..

Kaum waren wir auf dem Zeltplatz am Fluss angelangt reichte die Zeit gerade noch sehr knapp alles einzurichten bis auch schon wieder dicke Regentropfen aufs Zelt niederprasselten.5B25FACB-6457-4B54-80A2-1BF956EA80C0

24.06.2019 Irgendwo – Dillon

Tag 44: 92km

Wir erwachten mit den ersten Sonnenstrahlen und setzten uns und unser Zelt sogleich in die Sonne um uns aufzuwärmen, bzw. das Zelt zu trocknen. Wir besprachen, dass wir heute vom Trail abgehen würden und die direkte Verbindung nach Dillon nehmen werden. Bereits kurz nach dem losfahren begegneten wir den ersten Rennteilnehmern. 2C12952A-65E6-4DA3-9E93-DC99D60B2DC8Einige hielten sogar an um ein wenig zu quatschen und erzählten uns von zwei Schweizerinnen die etwas hinter ihnen unterwegs nach San Diego seien. Ausserdem seien zwei Belgier unterwegs auf dem Panamerica, von Alaska bis nach Südamerika. Leider trafen wir weder die Einen nich die Anderen an, denn kurze Zeit später nahmen wir die Abzweigung nach Dillon. Die Strecke führte uns insgesamt 85km über Schotterstrassen vorbei an Feldern und dann hinein in die Hügel.

Wir trafen immer wieder auf Springböcke, farbenprächtige Vögel und Arbeiter die die Felder mit blauem Zeugs einsprayten. Wiedereinmal hatten wir ziemlich gegen den Wind zu kämpfen, doch immerhin blieb es trocken und die Temperaturen sanken nicht zu tief. 18km vor Dillon trafen wir auf Dave. Er war in die selbe Richtung wie wir unterwegs und eigentlich auch Teilnehmer des GDMBR Rennens. Er gönne sich nun jedoch eine Woche Pause bei seinen Verwandten in Dillon und gehe danach zurück auf den Trail. Die 30 Tage Grenze wird er dann wohl nicht mehr einhalten können… 8921083D-BE85-4C62-A1C4-95BE40B52366

Als wir Dillon erreichten checkten wir in die Beaverhead Lodge ein, gingen einkaufen und machten uns daran den Blog und uns selbst auf Vordermann zu bringen. DEB15FF9-67FC-4E6C-AAC8-CDF9FEF1A199D10B9D36-D4A7-4837-A3DF-25A915780BB8

23.06.2019 Sawtelle Resort – Irgendwo

Tag 43: 85km

Heute würde es endlich wieder weg von der Hauptstrasse gehen. Wir freuten uns darauf endlich wieder etwas Off-Grid und vor allem zurück auf dem Trail zu sein. Bevors losging legten wir jedoch nochmals einen Pitstop beim Supermarkt ein. Dort wurden wir ziemlich schnell von einer netten Frau in ein Gespräch verwickelt und sie quetschte uns über unsere Reise aus. 30min später sassen wir wieder voll ausgerüstet im Sattel und steuerten den Trail an. Dieser führte uns nach 5km zu einer gesperrten Strasse. Wir wollten nicht umdrehen und umgingen einfach das Gate mit welchem die Strasse blockiert wurde. Dahinter erwartete uns der erste Singletrail unserer bisherigen Reise.872B33F0-6167-4878-AED9-615663213842

 

Der 15km lange Abschnitt entpuppte sich als wunderschön und äusserst abenteuerlich. Wir begegneten sogar einem ausgewachsenen Hirschen auf dem Trail! Danach führte uns der Weg wieder zurück auf eine geteerte Strasse, welche nach weiteren 5km wieder in eine Schotterstrasse überging. 6DC9A04C-69C7-49D1-83B1-D40F4B171C52Darauf begegneten wir dann im Verlauf des restlichen Tages etlichen kleinen Grüppchen und Einzelpersonen die am GDMBR Rennen von Banff bis Mexiko teilnahmen. Von einem Fahrer erfuhren wir dann, dass rund 200 Teilnehmer in Kanada gestartet waren und sie die knapp 5000km lange Strecke in rund 30 Tagen bewältigen müssen um im Rahmen des Rennens gewertet zu werden. Er selbst habe am Tag zuvor 240km zurückgelegt und sei nun etwas kaputt. Kein Wunder!! Es ist unglaublich was diese Leute leisten!! Während gegen 13:00 Uhr wieder ein starker Gegenwind einsetzte, fuhren wir erst über die Staatsgrenze von Idaho nach Montana und dann durch eine kleine Siedlung Namens Lakeview.AAA5E6D3-33A9-48D3-ADD0-7C565BBC8C0D

 

Wie der Name bereits vermuten lässt hatten wir während diesem Streckenabschnitt eine wunderbare Sicht auf den grossen See an dem sich der Trail entlangschlängelte2C82FF25-DFB2-4861-8662-5209DBBA4A77 EC6E2EBF-901F-4A0F-AC96-2618E1558272Wir fuhren noch an einigen Farmen vorbei bevor wir dann unser Zelt um 17:00 Uhr an einer Kreuzung aufstellten und Feierabend machten. Um Mitternacht wurden wir unvermittelt vom hellen Licht eines Velofahrers geweckt! Er hatte wohl noch nicht genug Kilometer abgespult an diesem Tag…

22.6.2019 West Yellowstone-Sawtelle Resort

Tag 41: 40km

Die Nacht war alles andere als erholsam und so waren wir am Morgen ziemlich gerädert. Das Motel war sehr ringhörig und so nahmen wir jedes Geräusch wahr. Im Zelt ist unser Schlaf um einiges besser, aber eben man kann nicht alles haben. Ein Blick aus dem Fenster liess uns erschaudern, es sah aus als ob Frau Holle gewaltig die Bettdecken geschüttelt hätte. Die weissen dicken Schneeflocken tänzelten nur so vor unseren Augen. D17D39E9-07C2-48F9-B616-02F4AB2D4E32Bei Minus 3 Grad galt es wieder mit voller Montur aufs Velo zu steigen. Weit kamen wir nicht…  da zwei Häuserblocks weiter ein Café uns förmlich ins Innere zog. Bei warmen Gebäck und Tee versuchten wir uns zu motivieren um doch noch einige km abzuspulen.

Wer hätte gedacht, dass wir heute sogar noch ohne Handschuhe unterwegs sein würden. Aber ja, wie schon so oft änderte sich die Wetterlage innert kürzester Zeit und wir kamen schon fast wieder ins Schwitzen. 1F4BF94F-564C-417C-B9BB-C12D7FEF6E9FFBA1291E-A9C8-49B5-83F5-55A617F7C86FHeute überquerten wir für kurze Zeit die Bundesstaatsgrenze von Montana zu Idaho. 4BAB740D-A8D7-49D7-901A-F73A655DB1D2Spätestens Morgen werden wir Idaho wieder verlassen und den Rest des Trails bis zur kanadischen Grenze in Montana absolvieren..

Wir waren beide müde und wollten den Nachmittag im Zelt verbringen. So fuhren wir nicht weit und quartierten uns auf einem Campingplatz unmittelbar beim Trail ein.. DE143CA6-6F49-4D5F-8291-DC2DEA42C98C

21.06.2019 Madison Campground-West Yellowstone

Tag 41: 25km

Es brauchte heute Morgen einiges an Überwindung uns aus den Schlafsäcken zu schälen und unsere Velokleider anzuziehen, es herrschten nämlich Minustemperaturen.9D9CB588-37EA-455A-9B78-545F1F93F73A Ein Vorteil hatte die ganze Geschichte, denn unser Gepäck erleichterte sich um einiges, da wir praktisch alle Kleider nun am Körper trugen. Mit uns waren noch 4 andere Biker, die allesamt den Transamerica absolvierten, auf dem Campground. Der eine Biker hatte tatsächlich nur fingerlose Handschuhe dabei. Was waren wir froh hatten wir zusätzlich noch unsere dicken Skihandschuhe eingepackt. Wie bereits auf dem PCT sind wir Ausrüstungsmässig wirklich gut unterwegs und für alle Eventualitäten gewappnet. FCEC8650-A2FC-4FD4-A12E-CAF16B63F3C9

So gings dick eingepackt erst mal wieder zum Visitor Center um wenigstens in der Wärme unser Frühstück, bestehend aus Jogurt, einer Banane und Beeren einzunehmen. Danach fuhren wir los und schon bald erblickten wir vor uns 2 Biker die ebenfalls auf dem Zeltplatz genächtigt hatten. Sie fuhren ein etwas gemächlicheres Tempo und so überholten wir Sie und wünschten weiterhin eine gute Reise.

An einem Fluss sichteten wir eine Elchherde, da konnten wir nicht einfach vorbeifahren und so gabs einen kurzen Stopp.86144B01-CC9C-4507-BBCA-67D879157E83

Nach gut einer Stunde waren wir doch etwas warmgefahren, sodass wir uns der ersten Schicht vor dem nächsten anstehenden Hügel entledigen konnten.

Ja und dann standen wir plötzlich vor der Holztafel „Entering Montana“, das ging jetzt aber schnell…. 69815A80-EE46-4916-BE9F-074AAEA3BBE7

Als uns immer mehr Autos entgegen kamen, war uns klar, dass es nicht mehr weit bis zum Parkausgang sein kann. So war es dann auch und der Yellowstone Nationalpark gehörte auch schon wieder der Vergangenheit an. Schön wars…

Wir waren ziemlich geschafft und wünschten uns von Herzen eine warme Dusche und ein warmes Zimmer. Daher suchten wir uns im touristischen Ort West Yellowstone ein Motelzimmer. Entsprechend hoch waren auch die Preise, doch wir waren einfach nur froh überhaupt ein Zimmer für eine Nacht ergattert zu haben.

Das Zimmer glich eher einer Halle, die zwei riesen Betten sahen fast verloren darin aus. Nach einer ausgiebigen Dusche gingen wir erst mal etwas warmes Trinken. Demi übernahm den Gang zum Waschsalon während ich mich an die Blogeinträge der letzten Tage machte.

Am späteren Nachmittag assen wir in einem kleinen italienischen Restaurant Penne und Lachs mit Gemüse. Zurück im Motelzimmer wars gefühlsmässig eher ein Saunagang. Ich hatte es mit der Einstellung der Heizung zu gut gemeint. Diesmal krochen wir mit kurzen Hosen und T-Shirt ins Bett.

20.06.2019 Grant Village Campground – Madison Campground (Yellowstone Nationalpark)

Tag 40: 60 km

 

Als wir am Morgen aufstanden war es bitterkalt. Über Nacht hat sich auf alles umliegende eine Frostschicht gelegt. Wir zogen uns dementsprechend vielschichtig an und fuhren los. Gut, dass es erst mal aufwärts ging so wurde uns schnell ein wenig wärmer.

Es galt einige Meilen abzustrampeln, bis wir einen der wohl bekanntesten Geysire der Erde besichtigen durften. Auf dem Weg zu dieser Touristenattraktion überquerten wir einige Hügel. Den höchsten Punkt erreichten wir auf 8391 feet das entspricht 2558 m.ü.M.363A7F5D-E38A-4C00-A553-4FF6219F8D66

Von weitem sahen wir schon die vielen Wasserdampfsäulen über den Bäumen schweben. Als wir dann um die Mittagszeit bei den Geysiren ankamen waren wir natürlich nicht die Einzigen. Ich wollte die Eruptionssäule des Old Faithful unbedingt live miterleben und so machte ich mich zu Fuss auf den Weg. Demi war es zu kalt und so machte sie es sich in der Lobby der Snow Lodge neben einem Chemineé bequem.

Als es dann soweit war sprudelte bzw. spukte der Geysir Old Faithful eine gewaltige Wassermasse in etwa 40 Meter Höhe. Das Spektakel dauerte insgesamt ca. 4 Minuten.

 

Bevor wir weiter fuhren wärmte ich mich in der Lobby der Lodge ebenfalls noch ein wenig auf.

Danach gings auf einem Hochplateau durch eine wunderschöne und teilweise bizzare Vegetation.38360C3A-4D02-4379-909C-9D9B1553F2AC

Wir hielten anschliessend bei verschiedenen kleineren und grösseren Thermalquellen an und bestaunten die unglaublichen Farbexplosionen.

Grand Prismatic Spring ist eine der grössten Thermalquellen der USA und die drittgrösste der Erde. Das Becken ist in etwa 75 x 91 m gross und ungefähr 49 m tief. F4170B44-9C64-4806-B91F-1671FD116EEC

Um den vielen Autotouristen ein wenig aus dem Weg zu gehen, liefen wir auf einem angelegten Trail etwas in die Höhe und genossen den fantastischen Anblick zwischen Bäumen auf den Pool.

Es war mittlerweile schon späterer Nachmittag als wir weiterfuhren. Na ja, der von uns angepeilte Campground war nur noch 16 km entfernt. Doch das Wetter schlug in Kürze um und der von mir so verabscheute Wind setzte unbarmherzig ein. Die Windböen waren so unberechenbar das ich eigentlich nicht mehr weiterfahren wollte. Es war mir schlichtweg zu gefährlich. Demi hatte weniger Mühe und redete mir gut zu. Irgendwann kamen wir beim Madison Campground an und bekamen einen Zeltplatz zugewiesen. Kaum hatten wir unser Zelt aufgestellt fing es doch tatsächlich an zu schneien. Wir kochten uns Stocki zum Znacht und tranken heissen Tee. Danach machten wir uns für die Nacht bereit. Dies sah bei mir Kleidertechnisch wie folgt aus: Merinounterwäsche, Fleecejacke, Softshelljacke, Halswärmer, 2 Mützen, Handschuhe, Wollsocken und zusätzlich schlüpfte ich noch in einen Seidenschlafsack. Jetzt sollte eigentlich nichts mehr schiefgehen😉 Morgen werden wir die Grenze Wyoming/ Montana überqueren und gleichzeitig den Park verlassen.

 

19.06.2019 Campground Lizard Creek – Grant Village Yellowstone Nationalpark

Tag 39: 50 km

Mitten in der Nacht wachte ich auf, da ich unbedingt aufs WC bzw. hinter einen Baum musste. Aufgrund von eindeutigen Geräuschen eines Bären unmittelbar bei unserem Zeltplatz, liess ich es dann erst mal bleiben. Glücklicherweise hatte Demi kurze Zeit später das gleiche Bedürfniss und so krochen wir mit Stirnleuchte und Trillerpfeife bewaffnet nacheinander aus dem Zelt. So schnell waren wir noch selten hinter einem Baum und anschliessend wieder im Zelt. In dieser Gegend hat es vorallem Schwarz- und Grizzlybären. Demi hatte Angst um ihre Snacks die sie in einem Behälter am Velo vergessen hatte rauszunehmen. Alle sonstigen Esswaren und Toilettenartikel waren in der Bärenbox sicher verstaut. Wir waren beruhigt als am Morgen noch alles intakt war.

Noch etwas über 25 Meilen trennen uns bis zur Grenze nach Idaho. Guten Mutes absolvierten wir den ersten Aufstieg. Wir befanden uns mittlerweile wieder auf über 2500 m.ü.M. Wir waren uns vorgängig nicht ganz schlüssig ob wir statt der offiziellen Trailroute nach Idaho nicht lieber den Yellowstone Nationpark durchqueren sollten. Da wir in den letzten Jahren den Yellowstone schon einige Male besucht haben, entschieden wir uns dagegen. Demzufolge bogen wir nach ca. 8 Meilen auf eine Nebenstrasse ab und fuhren Richtung Bundesstaatsgrenze Wyoming/Idaho. Uns erwarteten einige Hügel und Höhenmeter. Doch soweit kam es nicht. Aufgrund schneebedeckten Strassen/ Pfade in den höheren Lagen war die Strasse gesperrt. Uns blieb nichts anderes übrig, als umzukehren und geradewegs den Yellowstone Nationalpark anzusteuern. Die Enttäuschung hielt sich in Grenzen…und so reihten wir uns als einzige Velofahrer mit etlichen Autotouris vor den Parkeingangs- Zahlungshäuschen ein.ABFB896D-91D7-4A9C-A8A1-F6A3C522D7EC

Der Yellowstone Nationalpark wurde am 1. März 1872 gegründet. Damit ist er der älteste Nationalpark der Welt. Der Park ist vorallem für seine geothermalen Quellen wie Geysire und Schlammtöpfe sowie für seine Wildtiere wie Bison, Bären und Wölfe bekannt.

Das Klima im Yellowstone- Nationalpark ist vorallem durch die Lage in den Rocky Mountains geprägt. Mit plötzlichen Wetterwechseln muss im Park das ganze Jahr über gerechnet werden.

So fuhren wir in kurzen Hosen und kurzärmlig mit vielen Moskitos im Schlepptau in den Park. Das Velofahren war anfangs eine ziemliche Tortour. Der seitliche Streifen neben der offiziellen Fahrbahn war sehr schmal, eigentlich kaum der Rede wert. Teils Fahrer mit ihren breiten Trailer/Anhänger fuhren extrem nahe oder gar auf der Aussenmarkierung und so war es für uns eine ziemlich nervenaufreibende Sache. Da wurde die wunderschöne, sehr wilde Landschaft fast zur Nebensache und wir waren froh heil im Grant Village angekommen zu sein.

Nun stellte sich die Frage  wo wir heute nächtigen sollten. Wild Campieren wäre mit den vielen Tieren eher heikel und auch nicht offiziell erlaubt. Der Campground war offiziell voll, doch im Dunkeln wollten wir keinesfalls weiter fahren. Wir fuhren trotzdem auf den Grant Village Campground und fragten nach einem Zeltplatz für Biker. 04324ED6-12D1-489B-B292-1413810D5867Wir hatten, wie so oft wieder Glück und bekamen einen super Platz inmitten von Nadelbäumen.73C4C7E5-6E55-4848-ABEF-6022DBAAD634

Da es erst früher Nachmittag war quartierten wir uns im Visitor Center ein und luden unsere Powerbanks und Natels auf. Es war ein reges Kommen und Gehen und daher recht unterhaltsam. Als wir eigentlich so um 18.30 Uhr auf unseren Zeltplatz zurückkehren wollten, fing es plötzlich an zu stürmen und regnen. Also sassen wir das kurze Wetterintermezzo aus und radelten anschliessend zu unserem Nachtlager zurück. Um uns herum roch es nach angenehm nach Lagerfeuer und feinen Grilladen. Ich hatte aus dem Nichts heraus plötzlich Lust auf einen Landjäger mit Senf und einem Stück feinem Brot. Stattdessen musste ich mich mit einem Stück Roggenbrot und Käse mit Pepperoni und Rüben zufrieden geben. Morgen werden wir einige Geysiren auf unserem Weg durch den Park einen Besuch abstatten.